Die Askari-Geschichte

Als Askari im Oktober 1995 zu Hause in Farchant auf die Welt kommen sollte, gab es einige Probleme. Gamba, seine Mutter, erwartete nur vier Welpen und der erste Rüde der geboren wurde war tot, es folgte Anjouli - und dann war zwölf Stunden Pause. So packte Claus seine Gamba ins Auto und fuhr zum bereits benachrichtigten Tierarzt. Hier wurden dann  Akili und  Askari per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. In einem Osterkörbchen wurden sie von Claus´ Kindern nach Hause gebracht. Gamba erholte sich rasch, aber sie wollte die Kleinen nicht so gerne säugen, sodass Claus immer bei dem Wurf schlafen musste und dafür sorgte, dass alle satt wurden.

Akili kam nach Österreich und Anjouli fand eine neue Heimat in München.

Askari durfte erstmal bei seiner Mutter bleiben und entwickelte sich zu einem stattlichen Jüngling. Als Claus seine Tochter Nina in Indien besuchte, passte Askari zusammen mit Hermine, einer Bekannten der Familie, auf das Haus auf. Er war für Hermine ein idealer Therapeut, denn sie hatte schlimme Geschichten bei einer Reise durch Ladakh erlebt, und er war der ideale Zuhörer. Er liebte sie so, dass er unaufgefordert den verlorenen Schlüsselbund suchte, fand und ihr zutrug und auch später waren beide glücklich, wenn sie einige Tage miteinander verbringen konnten. So war Askari dann der alleinige Hund im Haus geworden, als ich Claus kennen lernte.

Askari und Asir waren sich bei den ersten Begegnungen nicht unsympathisch, aber Askari war immer in "Hab Acht Stellung", da er sein Herrli sehr liebte. Ein Ausrutscher bei Glatteis, ein hochgehobener Stuhl - das waren immer Angriffssignale für ihn. Und da er ja der Hausherr und ein Jahr älter als Asir war, war er ja auch moralisch im Recht. Und so erweitere Asir seine Sammlung an Löchern im Pelz.

Ein gemeinsamer Radausflug mit den Rüden sollte dann die Wendung bringen, leider nicht so wie erhofft:

Claus fuhr schnell voraus, ich konnte ihn nicht mehr einholen. Asir und Askari galopierten mit. Und dann lief Askari dem Claus vor´s Rad: Er glaubte, Asir hätte ihn gepackt, drehte sich um und packte Asir. Ich sah, wie Asir am Boden lag, und der schwerere und größere Askari über ihm stand. " Nun ist es endlich geklärt" dachte ich. Da sah ich, dass sich nun Claus genötigt sah, den Hund seiner Freundin zu retten. Asir sah das auch so und stand auf - und Askari biss nun richtig zu. Bis ich bei den Hunden war, war schon alles geschehen. Asir war schwarz vor Dreck, weil sich das Ganze am Viehtrieb abgespielt hatte. Er blutete aus der Schulter und am Gesäß war eine tiefe offene Wunde. Er war unfähig nur einen Schritt zu gehen. Claus fuhr mit Askari nach Hause und informierte den Tierarzt, ich wartete und hielt alle Spaziergänger und frei laufenden Hunde auf Distanz - es war ja Samstag Nachmittag. Im Auto brachten wir ihn heim, dann spritzten wir den größten Schmutz ab und fuhren zum Flicken.

Wer nun glaubte, wir hätten zwei sich anknurrende, geifernde, bellende Hunde im Haus gehabt, der sah sich getäuscht. Unsere Rüden lagen brav und ruhig jeder auf seinem Platz in der Küche - angeleint! So verlief jede gemeinsame Mahlzeit - auch, als Oribi zu uns kam, gab es keine Schwierigkeiten. Nur unter Kontrolle und angeleint musste jeder Rüde im Haus sein, dann war alles in Ordnung. Oder eben in verschiedenen Zimmern. Geschlossene Türen war das A und O. Asir hatte nach diesem großen Kampf selber die Initiative ergriffen und sah sich in seiner Position im Haus gestärkt: den Askari, den pack ich jetzt bevor er mich wieder packt - und schließlich ist mein Frauli jetzt hier die Chefin. Das war nun sein Motto.

Eine medizinisch bedingte Kastration von Askari änderte Asirs Einstellung leider auch nicht. Experimente wie gemeinsames Anleinen vor der Eingangstür endete immer mit Wegschauen von Askari und Ignorieren von Asir. Draußen im Gelände allerdings ging jeder seines Weges und es kam auch nie nur zu einer gefährlichen Situation. Wir liefen auch auf Ausstellungen gemeinsam, die Hunde lagen Rücken an Rücken unter einem Sonnenschirm . Oder wir gingen gemeinsam an lockerer Leine zum Tierarzt, wenn mal doch wieder einer eine Türe nicht geschlossen hielt.

Im Auto waren sie nur durch ein dünnes Gitter getrennt und nie hat einer der Rüden nur ein Haar aufgestellt oder gar geknurrt. Es ging ihnen nur um´s Territorium Haus und Garten.

Unsere Lebenssituation, nämlich das Kennenlernen meines jetzigen Mannes und die Tatsache, dass jeder von uns einen ausgewachsenen, geschlechtsreifen Rüden besaß, mussten wir meistern. Wir haben es, glaube ich, ganz gut geschafft. Im Haus bei klaren Verhältnissen herrschte Harmonie und Entspanntheit. Und Askari ging dann eben mit Herrchen zur Arbeit in den Wald, Asir begleitete mich soweit es ging, und als Oribi dann da war, leistete er eben ihr Gesellschaft.

Wir Menschen, unsere 4 Hunde und viele liebe Gäste haben bis zum Tode unseres geliebten Askari zusammen in unserem gemütlichen Haus leben können. Leider begleitet uns unser alter Askari nun von einer anderen Stelle aus. Denn sein bereits mehrfach voroperiertes Fibrosarkom ließ ihn nicht mehr schmerzfrei laufen. Er wird aber immer in uns sein und viele Dinge in unserer Umgebung und die Erinnerung werden ihn nie vergessen lassen.