Die Asir-Geschichte
Am 2. Januar 1997 kam er zu mir, der 14 Wochen alte kleine Ridgeback Rüde. Es war ein eiskalter Tag, morgens vor 9 Uhr, im Frachtbereich des Frankfurter Flughafens. Ein erster Blick zeigte mir einen kleinen Hund, der ganz hinten in seiner langen, schmalen Flugbox saß. Die Tierärztin war noch nicht da um ihn zu untersuchen und ihm seine Tollwutimpfung zu verpassen. So wurde ich einstweilen zum Zoll geschickt, denen ich erklären musste, warum ich gerade einen Ridgeback aus Australien brauchte...
Nun, es war nicht meine Absicht gewesen. Ich hatte fast 10 Jahre lang einen Riesenschnauzer-Rottweiler-Mischling gehabt, der mir durch sein angenehm ruhiges Wesen und seine Arbeitsbereitschaft viel Freude gemacht hatte - wenn er auch ein alter "Macho" war. Und die Wahl fiel deshalb auf einen Rhodesian Ridgeback, weil ich das ruhige Wesen dieser Rasse auf den Ausstellungen immer bewundert hatte. Und außerdem sollte so ein Afrikaner nicht so hitzeempfindlich sein wie es mein alter Hund war. Nur mit dem Arbeiten, das war so eine Sache. Aber ich dachte: suche dir einen Hund von Eltern, die arbeiten, suche einen Welpen mit hohem Beutetrieb, und dann setze dein Talent ein - dann wird es schon werden. Nur: anscheinend gab es in Deutschland zu dem damaligen Zeitpunkt keine arbeitenden Rhodesian Ridgebacks die auch zur Zucht eingesetzt wurden. Als mir dann ein Rüde aus Australien angeboten wurde, noch gar nicht auf der Welt, da war ich so egoistisch und sagte ja. Und dann passte auch noch alles: im Wurf von Toni Comerford war nur ein Rüde, Ridgesetter Oz Design ( australisches Design), und ich konnte Urlaub nehmen, so dass alles passte. Denn die Australier ließen nur Hunde älter als 14 Wochen ausreisen.
Also war ich nun bei -15 Grad am Frankfurter Frachtflughafen. Asir war inzwischen geimpft und wollte nun aber nicht mehr aus seiner Box, als ich vom Zoll kam. Meine Begleiterin wies einen Arbeiter an: "Holen Sie den Hund aus der Box!". Was sollte der Mann tun, als in die Box zu greifen und den Welpen am Nackenfell zu packen? Asir schrie grauenhaft. Der Mann ließ aus. "So nicht!" hörte ich mich sagen. Ich schickte die anderen zur Seite, kniete mich im Abstand von 2m vor die Box, den Blick abgewendet, und streckte die die linke Hand aus. Ich rief ihn bei seinem Namen ( Toni hatte ihn bereits darauf geprägt). Beim dritten Versuch kam Asir aus seiner Box - aber nicht zu meiner Hand, sondern er streckte seinen Kopf gleich unter meine linke Achsel. Er war mein Hund!
Der Weg nach Hause bot noch einige Hürden für den Kleinen: die Flugbox war zu lang für mein Auto, meine Fahrerin noch nicht da, und so packte meine Flughafenbegleitung den Hund mit dem Kommentar: "er fühlt sich bei meinem Rüden im Auto wohler!" in ihr Auto,.Und ich fuhr hinterher. "Immer, wenn er gejammert hat, hab´ ich englisch mit ihm gesprochen und er hat sich beruhigt", hieß es später. Dann ließ sie bei sich zu Hause noch ihr Hündinnen aus dem Zimmer und Asir rettete sich unter ein kleines Tischerl, das ganze auf glattem Marmorboden. Ich war entsetzt. Als dann endlich meine Fahrerin da war, ging es problemlos nach Hause. Er schlief die meiste Zeit neben mir auf der Rückbank.
Asir hatte natürlich ein "Kalte-Füße-Problem". Zum Lösen ging er immer in den mit Stroh ausgelegten überdachten Auslauf und beim Welpenspielen wollte er nach einer viertel Stunde auf den Arm. Nach zwei Wochen hatte er alles gelernt, was er bei mir so mitmachen sollte: Rinder- und Pferdestall, Geflügel, S-Bahn, kreischende Kinder, Hotels, Autofahren und andere Hunde am Hundeplatz. Im Laufe des Sommers kamen Fährtenarbeit, Personensuche und natürlich die Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung dazu, die er mit 13 Monaten ablegte - bei strömendem Regen. Auch musste er sich einem Gutachter stellen, denn damals waren RRs in Bayern noch "Kampfhunde".
Das Leiterngehen wollte er selber ausprobieren, als mein damaliger Freund auf ein Garagendach über die angelehnte Leiter geklettert war - und wegen ihm ist er auch von einem Steg auf statt in einen See gesprungen und jämmerlich untergegangen. Nachdem wir ihn rausgezogen hatten, sprang er an der selben Stelle anschließend in das Wasser - und schwamm, wie sonst auch, wieder raus. Da bekam er den Namen Kamikaze. Und Caorle nannte man ihn, als ein Schäferhund ihn abschnappte und sein Ohr so unglücklich erwischte, dass ein Streifen davon am Boden lag - es konnte nicht wieder angenäht werden. Trotzdem war und ist er ein absolut freundlicher, gelassener und ruhiger Begleiter, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Aber einen Fehler hat er: er hat unserer Oribi das Jagen beigebracht. Einen Hasen, den er gewittert hatte, machte er für sie hoch, sie hinter dem Hasen her, er hinter ihr her, ich rufe "Bleib da!" - und er bleibt stehen! Er versucht aber auch, sinnvolle Dinge zu vermitteln: enges Nebenherlaufen um sie über einen Gitterrost zu führen, enges neben ihr Überspringen eines Hindernisses, um ihr zu zeigen, wie harmlos das ist, aber auch vorsichtiges Umkreisen eines jungen Hirsches, eines Spießers, um vor wehrhaftem Wild zu warnen, wie es scheint.
Zwei Mal kamen uns Streuner oder nicht in der Hand ihres Führers stehend Rüden entgegen, als Oribi gerade am Beginn ihrer Läufigkeit war. Asir ließ sie jeweils bis auf wenige Meter an uns heran, schien gelangweilt. Als die Rüden aber zu lästig wurden, sprang er ihnen in den Nacken und beutelte sie. Nach einer angemessenen Zeit kam ein "aus" und ein "hier" - und Asir ließ aus und kam her
Es wird wohl kaum einen bessern Hund für mich geben als Asir.
Asir ging ein in die ewigen Jagdgründe am 10.3.2008. Er jagt nun jenseits
der Regenbogenbrücke.
Nach einem gemeinsamen Gassi mit unserer Hundefamilie im Wald, der Suche nach
Hasenkötteln und einem Rundgang durch den Garten hat Asir mit seiner Oribi wohl
zu heftig geflirtet - sie ist gerade läufig.
Danach begleitete er mich noch bei der Gartenarbeit. Als ich den Garten
verlassen wollte, merkte ich schon, dass er mit der linken Hinterhand massiv
Probleme hat und auch rechts hinten schleift. Ich wollte alle Hunde über die
Terrasse herein holen.
Aziza und Oribi waren sofort da - Asir fehlte. Er lag wenige Meter von der
Terrasse, hatte sich - man sah es im Schnee - noch drei Meter auf der Vorderhand
weiter gezogen. Er jammerte heftigst, hechelte schwer. Ich holte eine Decke um
ihn ins Haus zu geleiten. In der Küche konnte er sich nicht ruhig halten, wälzte
sich von Seite zu Seite und jammerte. Die Tierärztin konnte nicht kommen, da
sie alleine war. Ich brachte ihn in die Tierarztpraxis Dr. Saur in
Garmisch-Partenkirchen zu Frau Dr. Stock, die sich sofort um uns kümmerte.
Das Röntgenbild der Hinterhand zeigte das seit zwei Jahren bekannte cauda
equina Bild und eine Arthrose einer Hüfte.
Er bekam Schmerzmittel und ruhte mit mir in einem Eck der Praxis, ließ sich den
Bauch und die Brust kraulen, entspannte sich etwas, wälzte sich trotzdem hin
und her, saß dann lange mit ausgestreckten Beinen auf meinen Füßen. Seine
Hinterläufe waren eiskalt. Um einen Bandscheibenvorfall weiter vorne
auszuschließen, röntgten wir auch den vorderen Bereich der Wirbelsäule. Er
lag noch auf dem Röntgentisch, als ich das Bild sah und den ballförmigen Tumor
im Bereich der Lunge. Zwei weitere Verschattungen im Bereich der Lunge waren zu
erkennen. Und ich erinnerte mich, dass Claus von dem rosafarbenen Auswurf
gesprochen hatte - Asir hatte seit ca. einem Jahr immer wieder
gehustet. Wir hoben ihn wieder vom Tisch und ich wollte ihn in diesem Zustand
nicht weiter leiden lassen.
Als er von mir ging, wedelte er mit seiner Rute
Er war mir immer ein treuer, verlässlicher Begleiter, der sein freundliches
Wesen auch an seine Kinder und Kindeskinder weiter gegeben hat und Kindern und
Erwachsenen, die Angst vor Hunden hatten, diese genommen hat.
Er lebt in Aziza und allen seinen Kindern weiter.
